
Rom ist ein beliebtes Ziel vieler Kreuzfahrer und vom Hafen Civitavecchia aus schnell zu erreichen. Neben Kolosseum, Forum Romanum und Trevi-Brunnen gilt vor allem der Vatikan als absolutes Highlight. Der kleinste Staat der Welt ist nicht nur Sitz des Papstes, sondern auch Zentrum der römisch-katholischen Kirche – voller weltberühmter Kunstschätze, streng bewacht von der farbenfrohen Schweizer Garde.
Doch wusstet ihr, dass es innerhalb der Mauern des Vatikans ein kleines, grünes Paradies gibt, das fast nur deutschsprachigen Besuchern offensteht? Der Campo Santo Teutonico – der deutsche Friedhof im Vatikan.
Ein versteckter Zugang in den Vatikan

Normalerweise gelangen Touristen nur über das Vatikanische Museum oder den Petersdom in den Vatikan. Eine Ausnahme gilt jedoch für deutschsprachige Besucher: Sie dürfen über das Tor „Arco delle campane“ eintreten.
Wer die Warteschlangen zum Petersdom links liegen lässt und selbstbewusst (und auf Deutsch!) den Schweizer Gardisten ein „Guten Tag, ich möchte den deutschen Friedhof besuchen“ sagt, wird meist eingelassen. Ein Erlebnis, das viele Rom-Reisende nicht kennen.
An der Via Tuniga vorbei am mächtigen Petersdom und der modernen Nervi-Halle, in der der Papst seine Audienzen abhält, spürt man die Geschäftigkeit des Vatikanstaates. Doch nur wenige Schritte später betritt man den Campo Santo Teutonico – und die Hektik bleibt augenblicklich zurück.
Geschichte und Bedeutung

Der Campo Santo Teutonico (offiziell Campo Santo dei Teutonici e dei Fiamminghi) ist der einzige Friedhof innerhalb der Mauern des Vatikans. Interessanterweise gehört er aber nicht zum Vatikanstaat, sondern zu exterritorialem Gebiet Italiens, das durch die Lateranverträge von 1929 dem Heiligen Stuhl zugesprochen wurde.
Die Ursprünge reichen weit zurück: Bereits im 8. Jahrhundert entstanden hier Pilgergemeinschaften für Reisende aus dem Norden Europas. Karl der Große wird oft als Gründer der ersten Einrichtung genannt. Der heutige Friedhof wurde 1454 durch die „Bruderschaft der Deutschen und Flamen“ institutionalisiert.
Heute gehört der Campo Santo Teutonico der Erzbruderschaft zur Schmerzhaften Muttergottes der Deutschen und Flamen. Er umfasst nicht nur den Friedhof, sondern auch die Kirche Santa Maria della Pietà, das Päpstliche Deutsche Priesterkolleg sowie das Römische Institut der Görres-Gesellschaft.
Wer hier bestattet ist

Der Campo Santo war ursprünglich Ruhestätte für Pilger, die ihre Wallfahrt nach Rom nicht überlebten. Heute haben Mitglieder der Erzbruderschaft sowie deutschsprachige Geistliche ein Beerdigungsrecht.
Zu den bekanntesten Persönlichkeiten, die hier ruhen, gehören:
- der Künstler Joseph Anton Koch
- die Schriftsteller Stefan Andres und Johannes Urzidil
- die Ordensschwester Pascalina Lehnert, Haushälterin von Papst Pius XII.
- zahlreiche Archäologen und Kirchenhistoriker
Die Grabsteine erzählen Geschichten aus Jahrhunderten – von berühmten Namen bis zu einfachen Pilgern.
Eine grüne Oase mitten im Vatikan

Der Friedhof ist klein, still und überraschend grün. Zypressen, Efeu und gepflegte Wege schaffen eine Atmosphäre, die in starkem Kontrast zur Geschäftigkeit des Petersplatzes steht. Hier haben schon viele deutsche Kurienmitarbeiter ihre Mittagspause verbracht, auch Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., kam regelmäßig hierher.
Praktische Tipps für Besucher
- Zugang: Nur über das Tor „Arco delle campane“ links vom Petersplatz. Wichtig: Auf Deutsch den Wunsch bei der Päpstlichen Schweizergarde äußern, den Friedhof besuchen zu wollen.
- Öffnungszeiten: In der Regel vormittags (meist bis 12 Uhr), Änderungen sind möglich.
- Dauer: Plant ca. 30–45 Minuten für euren Besuch ein.
Fazit
Der Campo Santo Teutonico ist ein echter Geheimtipp für Kreuzfahrtgäste, die einen Ausflug nach Rom machen. Abseits der Touristenströme erwartet euch hier ein Ort der Stille, Geschichte und deutschsprachigen Kultur – und die einmalige Möglichkeit, den Vatikan auf einem ungewöhnlichen Weg zu betreten.
